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12 SEP

Richtung Herbst


Nun ist September, der erste Schritt in Richtung Herbst. Als wir auf dem Flughafen von Kansas City landen, sind es 38 Grad. Nach einem zu kalten und verregneten Sommer in den Niederlanden habe ich keine Probleme damit. Am nächsten Morgen bin ich schon auf, als es noch dunkel ist, und während ich an meinem Arbeitstisch sitze, geht die Sonne auf: ein großer feuerroter Ball, der langsam über dem Baumrand in der Ferne erscheint und alles in ein goldenes Licht taucht. Majestätisch!

Auf dem großen Teich entdecke ich sechs Blauflügelenten, eine Schar Kanadagänse fliegt laut schnatternd ziemlich dicht vor meinem Fenster vorbei und auf der anderen Seite des Teiches läuft eine kleine Herde Weißwedelhirsche. Zwei Mütter, beide mit einem Zwillingspaar. Zwei Hirschkälbchen haben noch die weißen Flecken, sie sind also etwas jünger. Vor meinem Fenster laufen einige Truthühner vorbei ...

Ich bin wieder „zu Hause“, weit weg von zu Hause. In einer ganz anderen Welt, aber in einer Welt, die mir nach fast 20 Jahren sehr vertraut geworden ist. Wenn ich die Futterspender für die Kolibris – gefüllt mit Zuckerwasser – aufhänge, dauert es nur etwa zehn Minuten, bis sie sie bemerkt haben. Sie umschwirren meine Ohren, scheu sind sie wahrhaftig nicht – dafür haben sie keine Zeit! Aber man sollte sich nicht vertun, die winzigen Vögel, gekleidet in einen smaragdgrünen schillernden Anzug, sind kleine Territorialschurken!! Ein Kolibri hat den Futterspender innerhalb einer Stunde für sich beansprucht. Er trinkt, bis er nicht mehr kann, und setzt sich dann in einen nahe gelegenen Baum. Unsichtbar. Aber sobald sich ein anderer Kolibri nähert, jagt er wie ein wild gewordener Motorradfahrer hinter ihm her. WEG HIER! Das geschieht unzählige Male am Tag. So ein Piepmatz, so voller Leidenschaft, ein Vogel mit einer besonders kurzen Lunte!

Den Küchengarten erkenne ich kaum wieder, so grün und üppig.

Natürlich weiß ich, wie unglaublich rot der Northern Cardinal – der Rotkardinal – ist. Aber nach einem Sommer mit Kohlmeisen, zart getönten Rotkehlchen und Heckenbraunellen erschrecke ich kurz vor dem großen feuerroten Vogel, der vor mir wegfliegt. Ein Blauhäher kommt, um aus meiner himmelblauen Trinkschale zu trinken … hmmm, meine Pinsel beginnen zu kribbeln!
Etwas später sehe ich, wie die zwei Kardinäle die Beeren aus der Heckenkirsche fressen. Eine korallenrot blühende Heckenkirsche, rote Beeren und zwei rote Kardinäle ... Ich werde kurz eine Skizze machen.

Dann sehe ich etwas, woraus auf jeden Fall eine Zeichnung werden muss: Zwei Kolibris trinken – in der Luft stehend – den Nektar aus den Blüten des Blauen Salbeis, Salvia azurea. Ihre kleinen Flügel schlagen so schnell, dass sie fast unsichtbar sind. Ein großer Zebra-Schwalbenschwanz, der auch zum Trinken kommt, ist größer als die Kolibris! Als ich einen Blütenzweig mit an meinen Tisch nehme, weil ich ein paar Details zeichnen will, entdecke ich eine prächtige Braune Krabbenspinne auf einer der Blüten, so gut getarnt, dass eine arglose Schwebfliege sie erst entdeckt, als es zu spät ist. 
Das ist das Schöne, wenn man an verschiedenen Orten lebt: Jedes Mal wieder betrachtet man die Natur um sich herum mit neuen Augen. Ich bin erst richtig zu Hause, wenn ich den Strauß mit den gelben Sonnenblumen und Mädchenaugen, die ich auf meinem Spaziergang über die Präriewege gepflückt habe, in meiner Lieblingsvase auf den Esstisch stelle. Heute Abend kommen Mischa und Carrie zum Essen, Gaston kocht Pilz-Risotto.

Wenn wir bald wieder auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol ankommen, werde ich mich wieder unglaublich an der niederländischen Landschaft freuen, jetzt bin ich noch außer Atem von all dem Schönen um mich herum in Missouri.
Abgesehen davon bin ich neugierig, wann die Waschbären entdecken, dass wir wieder hier sind …

 

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